Ferienwohnungs-Streit auf Sylt: Zwei offene Briefe, keine Konzepte – eine Einordnung

Ferienwohnungs-Streit auf Sylt: Zwei offene Briefe, keine Konzepte – eine Einordnung

Eine Einordnung zur Debatte zwischen Sylter Unternehmern und „Merret reicht’s“.

Auf Sylt wird derzeit weniger über Wohnraum gestritten als über die Frage, wer das Wort führen darf. Der Unternehmerverband fragt öffentlich, wer hinter der Initiative „Merret reicht’s“ steht. Die Initiative fragt zurück, für wen Ole König eigentlich spricht. Zwischen diesen Briefen ist das eigentliche Thema – Ferienwohnungen, Dauerwohnraum, die Zukunft der Insel – fast verschwunden.

Beide Seiten haben einen Punkt, und beide überdehnen ihn. Die Sylter Unternehmer agieren transparent: 630 Betriebe, ein demokratisch gewählter Vorstand, jeder Name öffentlich. Wer König kritisiert, weiß, wen er kritisiert – das ist bei der Initiative anders, deren Strukturen, Autorschaft und Mitgliederbasis im Ungefähren bleiben. Wer scharf austeilt, sollte sagen, wer da schießt. Zugleich gilt: 630 Betriebe sind, gemessen an der gemeldeten und tatsächlich hier lebenden Bevölkerung, ein einstelliger Prozentsatz. Ein Verband vertritt seine Mitglieder – legitim und wichtig. Aber „wir Sylter“ ist er deshalb noch nicht. Diesen Titel kann auch keine Facebook-Initiative für sich beanspruchen.

Sachlich stehen sich zwei ungedeckte Schecks gegenüber. Der Untergang der Insel durch wegfallende Betten ist nicht belegt: Die bisherigen Stilllegungen liegen im Promillebereich, die sinkenden Steuereinnahmen erklären sich zu großen Teilen aus dem lahmenden Immobiliengeschäft, und die Gutachten, die Klarheit schaffen sollten, wurden angekündigt und sind nie gekommen. Umgekehrt schafft der Wegfall von Ferienwohnungen nicht automatisch Dauerwohnraum: Wer eine Wohnung auf Basis touristischer Erträge finanziert hat, kann den Kredit mit einer Dauermiete nicht bedienen. Das Ergebnis wären zunächst leere Ferienwohnungen, keine Wohnungen für Inselfamilien.

Dazu kommt ein Ton, der der Sache nicht hilft. Statt Konzepten tauschen beide Lager Hinweise auf die Vermögensverhältnisse der Gegenseite aus. Ob jemand am Ast sägt, auf dem er sitzt, aus Mut oder weil das eigene Schäfchen im Trockenen steht – diese Frage lässt sich in beide Richtungen stellen und beantwortet kein einziges Wohnungsproblem.

Die Entscheidung fällt dort, wo sie hingehört: in den gewählten Gremien. Am 13. Juli ab 19 Uhr befasst sich der Bauausschuss im Rathaus Westerland öffentlich erneut mit dem Thema. Wer mitreden will, kann hingehen – mit Namen, Gesicht und, idealerweise, einem Vorschlag, der wirtschaftlich trägt und rechtlich hält. Davon hat diese Debatte bislang exakt null gesehen.


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Lenz