107 Jahre Sylt: Steffi Moden in Westerland schließt seine Türen

Es ist eine Nachricht, die auf Sylt viele Menschen bewegt: Steffi Moden, das traditionsreiche Bekleidungshaus mitten in Westerland, wird zum Ende des Jahres 2026 schließen. Damit geht eine Ära zu Ende, die mehr als ein Jahrhundert das Einkaufsleben der Insel geprägt hat.
Die Geschichte des Hauses beginnt im Jahr 1919 – nicht auf Sylt, sondern in Lüneburg. Dort gründete Heinz-Anton Gülcher das Modegeschäft, das sich über drei Generationen hinweg als feste Institution in der norddeutschen Textilbranche etablierte. Irgendwann fand das Haus seinen Weg auf die Insel, und Westerland wurde zur zweiten Heimat von Steffi Moden. Heute führt Enkel Horst-Axel Gülcher das Unternehmen – und er wird derjenige sein, der die Türen für immer schließt.
Die Entscheidung fiel nicht leicht, wie Gülcher betont. Nicht sein Alter, nicht mangelnde Kundschaft – es ist der Fachkräftemangel, der dem traditionsreichen Betrieb das Genick bricht. „Es ist schwer, Fachkräfte auf die Insel zu kriegen. Das Pendeln überlegen sich Leute zweimal“, sagt er offen. Diese Aussage trifft den Nerv eines Problems, das viele Insel-Unternehmen kennen: Sylt ist attraktiv für Urlauber, aber für Arbeitnehmer mit Familie und langem Arbeitsweg oft eine logistische Herausforderung.
Damit steht Steffi Moden exemplarisch für eine bundesweite Entwicklung. Der stationäre Einzelhandel in Deutschland kämpft seit Jahren gegen eine Dreifachbelastung: der Druck durch Online-Giganten, gestiegene Betriebskosten und der zunehmende Mangel an qualifiziertem Personal. Gerade in Regionen wie Sylt, wo die Lebenshaltungskosten hoch und die Wohnverhältnisse eng sind, verschärft sich diese Lage dramatisch.
Noch bleibt ein letzter Sommer. Das Geschäft öffnet weiterhin seine Türen, und Stammkunden haben noch die Gelegenheit, sich zu verabschieden – von einem Haus, das Generationen von Syltern und Gästen eingekleidet hat. Es sind solche Geschäfte, die einer Inselstadt ihren Charakter geben, und ihr Verschwinden hinterlässt mehr als nur eine leere Ladenfläche.
Wir werden mit Horst-Axel Gülcher in den kommenden Wochen ausführlich sprechen – über 107 Jahre Familiengeschichte, Sylt und das, was nach dem letzten Schließtag kommt.
